Von Köttbullar bis Billy – Das IKEA-Phänomen

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„Wohnst du noch oder lebst du schon?“ – Einer der berühmtesten Werbeslogans, die es momentan gibt. Diese Worte brennen sich ins Gehirn ein, wie selten ein Werbespruch. Da hat sich die mittlerweile größte Haushaltsmöbelmarke der Welt, vertreten in 26 Ländern, etwas handfestes einfallen lassen. Die Rede ist von IKEA. Es gibt mittlerweile kaum Leute, die nicht wenigstens ein Teil von IKEA zu Hause haben.

Doch was macht das 1943 in Schweden gegründete Möbelhaus, eigentlich so beliebt?

Es ist Samstag.  Selten habe ich Samstag frei. Das muss genutzt werden. Da wir eine neue Matratze brauchen, besuchen mein Freund und ich, einige Möbelhäuser um uns einen Überblick zu verschaffen. Sie darf nicht zu teuer sein, aber trotzdem angenehm und möglichst rückenfreundlich. Nachdem wir einige Geschäfte durch hatten, kam uns die Idee nochmal zu IKEA zu fahren. Da es etwas außerhalb liegt, sind wir nicht sehr häufig da und da können wir auch gleich etwas essen. So war unser Gedanke. Also auf gehts.

Natürlich grenzt es an Masochismus, Samstags zu IKEA zu fahren. Wie erwartet war es brechend voll. Ein Parkplatzeinweiser winkte uns in eine Parklücke. Geschafft. Rein in den Laden.

Typisch für den Auffbau des schwedischen Möbelhauses ist ja, dass man einmal komplett durch das ganze Geschäft MUSS, egal was man sucht. Ein riesiger langer Weg führt durch das Einrichtungshaus. Das was eine ausgeklügelte Strategie ist, kann auch ganz schön nervig sein. Vorallem Samstags.

Wir quetschten uns nun durch die Massen, immer nach der Suche nach einer kleinen Abkürzung, die es ja doch ab und zu gibt, um es den Kunden ein klein wenig zu erleichtern und um wahrscheinlich keine rasenden Wutanfälle der Leute zu riskieren. Aber wer zu IKEA fährt, weiss worauf er sich da einlässt 😉

Irgendwann fanden wir die Matratzen Abteilung. Eine der ca 5 zur Auswahl stehenden Modelle, gefiehl uns ganz gut. So fotografierte ich das Schild der Matratze mit einem typisch für IKEA schwedischen Namen. „Myrbacka“ hieß das gute Stück.

Wisst ihr eigentlich warum es diese schwedischen Namen für jedes Möbelstück gibt?

Der Gründer Ingvard Kamprad konnte sich keine Zahlen merken, also bekam alles einen Namen. Dies ist nochmal unterteilt in die jeweiligen Bereiche. So haben zb Badezimmerartikel immer einen Namen von skandinavischen Seen, Flüssen oder Meeresbuchten.  Stoffe, Gardinen und Decken tragen Vornamen von Frauen. Stühle, Schreibtische und Regalsysteme haben männliche Vornamen bekommen. So enstand eines der bekanntesten Regale, mit dem Namen „Billy“.

Zurück zu unserem Besuch. Mittlerweile waren wir etwas hungrig, nach der ganzen Sucherei und begaben uns in das Restaurant von IKEA. Das gehört vom Umsatz her, zu den 10 größten Gastronomieketten, neben Mc Donalds, Burger King und andere.

Wie zu erwarten, war es sehr gut gefüllt, obwohl die Kernzeit der Mittagszeit schon lange vorbei war. Es war kurz nach 14uhr. Trotzdem ließen wir uns nicht abschrecken und stellten uns gut gelaunt an die Meterlange Schlange an, mit den Worten „Ich kann das Ende der Schlange schon sehen“. Dies war wieder einmal ein Beweis, wie gern sich Menschen für etwas zu essen anstellen und bei IKEA gehört es scheinbar zur „Tradition“, sich in das Restaurant zu verirren. Sei es nur, um wenigstens einen Kaffee zu trinken. Übrigens wenn man die „Ikea Family Card“, die Kundenkarte von IKEA, besitzt, bekommt man den Kaffee gratis 😉 Eine wirksame Strategie um Kunden in den Gastronomiebereich zu locken.

Ein Restaurant in das Möbelhaus mit einzubringen, war nebenbei bemerkt, auch eine geniale Idee des Gründers Kamprad, um den leeren Einrichtungshäusern zur Mittagszeit entgegen zu wirken. In jeder Filiale befindet sich ein Restaurant und ein Hot Dog Stand.

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Natürlich gab es bei uns das beliebte schwedische Gericht, Kötbullar. Ich liebe diese kleinen Fleischbällchen und die gehören einfach zu einem Besuch bei IKEA dazu. Ein gewisses Feeling entsteht dadurch, das typische IKEA-Feeling.

Die angebotenen Speisen sind zum größten Teil schwedischen Nationalgerichten nachempfunden. Das ist wohl keine Überraschung.

Nach dem wir satt und sitt waren, ging unsere Tour weiter. Mein Freund suchte noch eine Schüssel. Wir kamen in die „Kram-Abteilung“, wie ich sie gerne nenne, und jeder wird wissen, was damit gemeint ist 😉 Das ist eigentlich die „gefährlichste“ Abteilung , weil man da immer was findet, egal ob man etwas sucht oder nicht. Also kauften wir nicht nur eine Schüssel, sondern noch eine Brotbüchse, die aussieht wie ein kleiner Hund und die mich schon immer fasziniert hat. Ich brauch sie vielleicht nicht unbedingt, aber ich finde sie toll 🙂

Auch wenn wir zu diesem Zeitpunkt keine Matratze gekauft hatten, gingen wir dennoch ziemlich glücklich aus dem Laden heraus, nachdem wir an der Selbstbedienungskasse unsere Ware selbst abkassiert hatten. Das ist eine effektive Erfindung, um den Stau an den normalen Kassen zu umgehen.

Besonders auffällig ist außerdem , dass es besonders junge Paare und junge Familien zu IKEA zieht. Das sind auch die Zielgruppen des schwedischen Einrichtungshauses. Um dies noch zu verstärken wird zb kostenlose Babynahrung und Windeln angeboten. Zudem gibt es ein Spielparadies für Kinder, damit die Eltern in Ruhe einkaufen können. Alle sind glücklich. Genau das Richtige, denn IKEA legt zunehmend Wert auf „Heim und Familie“ und ist seit ein paar Jahren, etwas von dem jungen und flippigen Werbestil abgekommen. Dennoch fühlt man sich wohl, wenn man in der Werbung mit „Du“ angesprochen wird und es den alljährlichen Schlussverkauf „Knut“ gibt. Denn das gehört einfach zu IKEA, das IST IKEA.

Letztens habe ich in einer Fernsehsendung gesehen, warum denn die Möbel so beliebt bei den Kunden sind. Man muss sie (meist) selbst zusammen bauen. Und Selbstgebautes schätzt man einfach mehr. Simpel, aber wirkungsvoll.

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Auch wenn es sicherlich einige Gegner gibt, IKEA ist nicht nur ein Möbelhaus, sondern ein Gefühl. Man weiss was einen erwartet und man kommt doch immer irgendwie zufrieden aus dem Geschäft heraus.

Übrigens, wir haben zwar NOCH keine Matratze, werden uns aber höchstwahrscheinlich für die von IKEA entscheiden. Warum? IKEA hat seit kurzem ein lebenslanges Rückgaberecht. Das bedeutet, wenn man mit der Ware nicht zufrieden ist, kann man sie auch noch nach Jahren mit Kassenbon, zurückgeben und bekommt den vollen Kaufpreis zurück.

Die müssen doch völlig bescheuert sein, denkt man sich da.

Ich sage, das ist mal wieder eine sehr durchdachte Werbestrategie, denn das gibt dem Kunden immer eine gewisse Sicherheit und trägt definitiv zur Kaufentscheidung bei. Und IKEA hat wieder neue Kunden gewonnen. Und mal ehrlich, wer gibt wirklich nach vielen Jahren des Gebrauchs noch sein Möbelstück zurück? Ich denke die wenigsten, denn damit überschreitet man eine gewisse Hemmschwelle.

Aber man hat auf jedenfall die Sicherheit, man KÖNNTE….

Danke, IKEA 🙂

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