Im Einzelhandel und generell in allen Dienstleistungs-und Servicebranchen, haben wir es jeden Tag mit völlig unterschiedlichen Menschentypen zu tun. Man ist selbst immer wieder erstaunt,was es doch für verschiedene Verhaltensweisen, Reaktionen und Kaufverhalten gibt.
Doch so individuell jeder Mensch auch ist, treten beim Einkaufen, mittlerweile auch eher als „shopping“ bekannt, immer wiederkehrende Verhaltensmuster auf, und zwar im Bezug auf den Unterschied zwischen Männer und Frauen.
Ich möchte hier natürlich nicht erklären worin der Unterschied zwischen Männern und Frauen liegt. Ich denke da hat sich jeder schon sein eigenes Bild gemacht. Auch möchte ich hier Männer und Frauen NICHT in eine Schublade stecken – Das sei hier ganz klar gesagt! 😉
Aber doch gibt es wirklich sehr typische Merkmale und Verhaltensweisen von Frauen und Männer, die immer wieder zu beobachten sind und mich in meiner langjährigen Berufserfahrung immer wieder begleitet haben.
Fangen wir mal mit den Herren der Schöpfung an…
Es gibt zur Zeit eine sehr lustige Werbung im Fernsehen, wie ich finde.
Folgende Szene: Ein Mann sitzt auf einer Couch, hinter ihm ein flackender Kamin…und im ruhigen und sanften Ton sagt er : „Wenn ich mal den ganzen Tag Zeit hätte, würd ich mal so richtig schön shoppen gehen“
Auf einmal fängt er lautstark und herzhaft an zu Lachen und man spürt sofort eine Welle von Ironie, die einen überrollt, die selbst dem verbissensten Menschen, mit Sicherheit ein kleines Lächeln abverlangt 🙂
In dieser Werbung geht es um einen Männeronlineshop. Nein, Männer kann man da nicht kaufen, aber Klamotten für Männer und zwar mit individueller Beratung.
Das und vorallem WIE der Herr das sagt, drückt eigentlich genau DAS aus, wie es Männern sehr sehr oft beim Einkaufen geht.
Sie haben schlichtweg keine Lust dazu und sehen es häufig als reine Zeitverschwendung an.
Aber ab und zu braucht Man(n) ja nun mal eine neue Klamotte oder eben ein neues Paar Schuhe.
Und so zieht er los, der große Jäger, stürzt sich in das große Getummel, wälzt sich Samstags durch Menschenmassen, mit dem Gedanken so schnell wie möglich „seine Beute zu erlegen“ . Schnurstracks steuert er auf die Herrenabteilung zu.
Am liebsten wäre es ihm natürlich jetzt, wenn die Verkäuferin schon mit dem passenden Paar Schuhe am Fuße der Herrenabteilung auf ihn wartet, ihm zu hundert prozent versichert, dass der Schuh wunderbar sitzt und atemberaubend bequem ist, und sofort mit ihm zur Kasse schreitet, seine Kreditkarte durch das Kartenlesegerät zieht und sich mit einem charmanten Lächeln und einem Sexy Augenaufschlag für den Einkauf bedankt….Und alles ist erledigt. DAS wäre der volle Erfolg!!!!
So ist aber leider nicht. Die Schuhe finden und probieren muss er immer noch allein. Aber wir Verkäuferinnen stehen dem netten Herren doch immer hilfreich zur Seite. WENN ER DENN WILL…..
Meist ist es so, dass der Mann innherhalb von 10 sekunden alle Schuhregale durchleuchtet und natürlich den sofortigen Überblick hat…. über alles! Wenn die Verkäuferin es schafft ihn in 10 sekunden anzusprechen, bekommt diese meist nur ein kurzes “ ich schaue erstmal selbst“ zu hören.
Ein beliebter Trick, um sich lästige Verkäuferinnen vom Hals zu halten, ist übrigens zu telefonieren, während er halbherzig über die Regale schaut. Jedenfalls ist das Handy am Ohr und ab und zu kommt ein „hm“ oder „ja“ aus dem Munde des Kunden. Ob er nun wirklich telefoniert, sei dahingestellt.
Mit gekonntem Abstand hält sich jetzt eine Verkäuferin von dem Kunden fern und lässt ihn erstmal in Ruhe. In vielen Fällen ist der Herr der eben noch 2 Meter neben ihr stand, nach kurzem Umdrehen, spurlos verschwunden. Und war nie wieder gesehen. Würde man jedes Mal nach diesem spurlosen Verschwinden ein Suchplakat aufhängen, wäre in unserem riesigen Geschäft absolut kein Platz mehr für Schuhe, wahrscheinlich nicht einmal für Verkäufer und Kunden 😉
Aber sollte es doch soweit kommen und der Kunde hat einen Schuh gefunden, muss es schnell gehen. Sofort kommt er auf die Verkäuferin zugestürmt und drängelt nach dem zweitem Schuh, sofern er nicht eh schon im Verkaufsraum im Schuhkarton steht.
Am liebsten wäre es ihm, wenn die Mitarbeiterin den zweiten Schuh aus ihrer Hosentasche zieht und nicht noch 30m zum Lager laufen muss und ca 1 minute braucht um den kompletten Schuh im Karton, aus dem Lager zu holen.
Eventuell probiert der Mann den Schuh noch einmal an, je nach dem wieviel Zeit er vorher schon für die Suche „verplämpert“ hat und entscheidet sich meist auch schnell für den herausgesuchten Schuh und geht zur Kasse…
Es ist geschafft. Besonders beglückend ist es natürlich dann, wenn er so wenig wie möglich Zeit gebraucht hat ,um sein Ziel zu erreichen.
Doch es gibt auch oft Männer, die natürlich etwas mehr Zeit im Laden verbringen…mehr oder weniger freiwillig.
Das kann zum einen sein, dass er nicht so richtig findet was er sucht oder vor lauter Schuhen, gar keinen Schuh findet. Oftmals wird einem nach der Frage was er denn sucht, diese Frage mit „einen Schuh“ beantwortet. Das soll übrigens besonders witzig sein. Aber da die Verkäuferin, diesen Satz schon ungefähr 1347 mal gehört hat, kann sie sich nur noch schwer ein Lächeln über die Lippen quälen.
Besonders wenn dem männlichen Kunden eine weibliche Verkäuferin gegenüber steht, versucht er ganz besonders witzig zu sein. Mit „lustigen“ Sprüchen wie „können sie mir noch einen Kaffee bringen“ oder “ zum Samstag sind Sie wohl immer besonders nett“ versucht er die Mitarbeiterin zu beeindrucken. Natürlich sind die meisten Sprüche einfach voll daneben, aber manchmal ist diese kleine, aber besonders häufig vorkommende Eigenschaft, ein klitzeklein bisschen liebenswert 😉
Ein anderer Grund ist, dass der Mann länger als 5 Minuten in unserem Geschäft ist, seine FRAU.
Diese redet immer wieder auf ihren Gatten ein, er solle doch mal diesen und jenen Schuh probieren, schleppt immer mehr Modelle an und stellt sie ihm herrisch vor die Füße. Öfters ist zu beobachten, dass der Mann sich diesem fügt und dann schlußendlich den Schuh kauft, dem seiner Frau gefällt. Natürlich sind nicht alle Partnerinnen des jeweiligen Kunden so wie gerade beschrieben, aber wenn man auf so einen Typ Gattin trifft, ist es die oberste Devise sich auf jeden Fall fernzuhalten und erst dann in den Vordergrund zu rücken, wenn Sie einen heranruft.
Dies ist wichtig um sich nicht plötzlich mitten in einer Ehekrise zu befinden oder bissige Sprüche und/oder Blicke der Frau zu ernten, da Diese ja die Oberhand haben möchte bei dieser Sache.
Aber wenn dann der Schuh oder im besten Fall gleich mehrere, sich endlich an der Kasse befinden, das rote Scannerlicht über den Barcode fährt, mit einem befreienden „piep“ im Hintergrund , der Drucker mit leisem Knattern den Kassenbon ausdruckt und die vollgepackte Tüte über die Ladentheke geht, sind alle zufrieden und der Mann hat endlich wieder eine Weile Ruhe vor dem lästigen Einkaufen……Vielleicht….. 😉
Nächstes Mal: das Einkaufsverhalten der Frau