Der Kunde ist der König. IMMER. Oder?

Der Kunde ist König! Ein Spruch den mittlerweile jeder kennt, von jung bis alt, von Händler bis Käufer, Schüler bis Lehrer….einfach jeder kennt das. Woher? Von Geburt an? Bestimmt nicht.

In der heutigen Zeit, wird der “ Kunde ist König“ – Gedanke vielfach über die Medien publiziert. Immer wieder wird einem weis gemacht, man müsse als Kunde auf sein Recht pochen, sei es bei Umtäuschen, Reklamationen oder allgemeinen Verkaufsgesprächen.

Doch oft verschwimmt die Grenze zwischen Recht und Unrecht. Es gibt natürlich viele Sachen, die dazu im Gesetzbuch stehen, aber oftmals weicht der Händler auf eine gewisse Kulanz ab, wenn der Kunde sich nicht im Recht befindet. Nur um den Kunden nicht zu verärgern, zu vergraulen oder sich gar eine Beschwerde einzuhandeln.

Gerade in großen Einzelhandelsbetrieben ist es ja mittlerweile üblich, dass sich jeden Tag Kunden beschwerden, in der Zentrale, und egal ob sie recht haben oder nicht, bekommen sie noch einen großen Blumenstrauß plus Gutschein für den nächsten Einkauf zugeschickt.

Wo bleibt da eigentlich die Gerechtigkeit?

Ich selbst arbeite seit 8 Jahren in einem Einzelhandelsunternehmen und verkaufe dort Schuhe. Ich habe meine Lehre im Einzelhandel gemacht und mache also quasi seit ich 16 bin ,beruflich nichts anderes als zu verkaufen. Aber was das Wichtigste ist, ich bin nicht nur Verkäuferin – Ich bin auch KUNDE!

In jedem Geschäft bin ich Kunde, aber auch Verkäuferin zugleich. Denn wenn man selbst in diesem Beruf arbeitet, sieht man einen ganz stinknormalen Einkauf, ein völlig unspektakuläres Verkaufsgespräch und ein abkassieren an der Kasse, mit völlig anderen Augen, als ein „normaler“ Kunde. Immer wieder vergleicht man sich selbst mit den anderen Verkäufer/innen und überlegt, was denn jetzt in Diesem vorgeht. Man beobachtet genau bestimmte Situatuionen, erinnert sich oft selbst an eigene Erlebnisse,schüttelt oft mit dem Kopf und lacht auch sehr häufig darüber.

Und genau über diese Erlebnisse möchte ich berichten, Natürlich lässt sich eine insgesamt 12 Jahre lange Berufserfahrung nicht in einem Blog niederschreiben 🙂 Es gab in dieser Zeit so viele verrückte, interessante, ärgerliche und lustige Erlebnisse und es werden auch noch viele weitere folgen….

Es fängt oft schon beim Betreten des Kunden im Geschäft an. Ich selbst stehe oftmals am Eingang des Ladens, in dem ich arbeite und bin somit auch besonders für die Begrüßung  der Kunden zuständig. Jeder Mensch, der unser Geschäft betritt, egal ob er nur schauen möchte oder sofort wie eine penetrante Scheißhausfliege auf einen zustürmt und beraten werde will, soll sich von Anfang an wohlfühlen.

Das ist logisch, denkt man sich doch da. Jeder möchte beachtet werden, egal ob Zuhause, auf Arbeit, in der Schule oder eben im Laden. Also: Oberste Priorität- Kunden begrüßen.

Und da steht man nun. Ein Kunde kommt herein, man selbst hat vielleicht gerade auch nicht die beste Laune, weil vielleicht der Schlaf der letzten Nacht nicht besonders intensiv war oder weil die Straßenbahn zur Arbeit einem vor der Nase weggefahren ist oder vielleicht auch nur, weil im heutigen Instant-Kaffee zu viel nicht aufgelöste Krümel waren, aber egal. Der Verkäufer MUSS freundlich sein, IMMER und EGAL wie es ihm geht.

Also begrüßt man den hereinkommenden Menschen vorurteilsfrei (das geht leider nicht immer)mit einem lächelnden Gesicht und einem zuvorkommenden „Guten Tag“. Erwartungsvoll schaut man in die VIELLEICHT zum Verkäufer gerichteten Augen und bekommt…….NICHTS. Rein Garnichts. Kein Lächeln, kein Nicken, kein „Guten Tag“. Als wäre man Luft und eigentlich gar nicht da.

Oft muss ich mich dann erstmal selbst kneifen um zu testen, ob ich denn eigentlich real bin 😉

Nun ja, das fängt ja schonmal gut an. Der Kunde hat entweder keine Lust zum antworten (vielleicht klebt ihm ja gerade der Mund mit Honig zu), hat gerade in einem anderen Geschäft schlechte Erfahrung gemacht oder ist in dem Moment so in Gedanken versunken, dass er unser freundliches „Guten Tag“ überhaupt nicht wahr genommen hat. Auf jeden Fall ist es absolut nichts persönliches!!!! Das MUSS man sich immer mal vor Augen führen.

Aber es gibt auch noch eine andere Spezies beim Begrüßen, als „die Ignorierer“. Eine ganz gefährliche und äußerst sensible Gruppe von Menschen, hat sich auf Grund der immer wachsenden Aufdringlichkeit im Einzelhandel, entwickelt –  Die „Ich-will-nichts-mit-dir-zu -tun-haber“

Das sind diese Art von Kunden, die nach einem netten „Guten tag“ der Verkäuferin/des Verkäufers, sofort und in agressivem Ton, mit fletschenden Zähnen, zurück brüllen “ ICH WILL NUR GUCKEN!!!!!!“

Oh je, ein sofortiges Zucken in meinem Gesicht, die Mundwinkel gehen nach unten, man spürt, dass das weiße in den Augen vor Wut immer röter wird, der Puls rast und am liebsten möchte man zurück brüllen „Was furzt du mich so an du blöde Kuh! Ich sage dir freundlich guten tag und du lässt deine schlechte Laune an mir aus, die wahrscheinlich daher kommt dass du schon ewig keinen Sex mehr hattest, weil du einfach scheiße aussiehst und dein charme auch eher einem felsbrocken gleicht als einer Elfe“

Nun ja DAS denkt man sich…zum glück…nur. Das einzige was in diesem Moment wahrscheinlich am ehsten entwaffnend ist, mit einem noch freundlicheren Lächeln aber leicht spöttischem unterton zu sagen : “ Entschuldigung, ich wollte ihnen nur einen guten Tag wünschen. Natürlich dürfen Sie sich in Ruhe in unserem Geschäft umschauen“ – TOUCHE!!! 🙂

Fortsetzung folgt….

Hinterlasse einen Kommentar